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Aufregend unaufgeregtes Markttreiben
Alt-Olvenstedt. Advent, Zeit der Besinnung. Wer Glühwein, Stollen und frohe Lieder fernab vom vorweihnachtlich-hektischen Großstadttrubel genießen möchte, wird den Veranstaltern des Adventsmarktes in und um die Alt-Olvenstedter Kulturscheune jedes Jahr aufs Neue dankbar sein. Keine Bässe, keine Marktschreier, kein grölender Gesang am Glühweinstand. Das galt auch am vergangenen Sonntag zur zehnten Auflage der Veranstaltung. Dafür spielte der Olvenstedter Posaunenchor "Stille Nacht, heilige Nacht ..."
Schummrig war es im Gemeindesaal, der nur von Kerzen erhellt wurde. Eine stand auf jedem Tisch. Im flackernden Kerzenlicht tranken Besucher Kaffee und aßen Kuchen. Von Frauen des Scheunenvereins selbst gebacken, und das mit viel Liebe. Hier wurde genossen, nicht geschlungen. Der Alt-Olvenstedter Weihnachtsmann, vom Jobcenter vermittelt, ließ keinen Besucher "ungeschoren" davonkommen. Geschenke nur für Kinder? Von wegen! Im Gegenzug wollte der Bärtige aber auch von den Erwachsenen Lieder oder Gedichte hören. Und wem vor Schreck keine Gedichtzeile mehr einfallen wollte, dem drückte der Weihnachtsmann ein dickes Buch mit Geschichten in die Hand: "Bitte ein Stück vorlesen!"
Kleine Geschenke fertigte in der Scheune Dieter Mattig vor den Augen der Besucher. Aus Holz sind seine Kostbarkeiten. Die frisch gedrechselten Kreisel probiert er gleich mit einer Peitsche auf dem Steinboden der Scheune aus. "Funktioniert!", ruft er. Gute Arbeit.
(Kunst)Handwerk und Heimatgeschichtliches stehen an den Ständen hoch im Kurs. Kristine Bollmann hat einen Olvenstedter Kalender ausgelegt: "Streng limitiert auf 100 Stück", sagt sie. Die Fotos – Aufnahmen aus Alt-Olvenstedt und Umgebung, von Bewohnern des Ortes selbst geschossen – sind alle per Hand eingeklebt. "Da weiß man, was man gemacht hat", sagt Kristine Bollmann. Aber warum? Die Bilder sind beliebt "Viele sammeln sie. Wenn das Jahr rum ist, reißen sie die Fotos raus und stecken sie in Fotoalben." Sammlerkult auf Alt-Olvenstedtisch.
Es hat alles etwas Spezielles hier an der Westgrenze der Landeshauptstadt. Und wie Kreisel, Kalender und Kuchen hat auch der Adventsmarkt an der Scheune als Ganzes seine Liebhaber. Und alle anderen können sich doch gerne woanders in den großen Trubel stürzen.
Autor: Robert Richter (Magdeburger Volksstimme)
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