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Donnerstag, 05.11.2009 Zurück zur News-Startseite

Die Mutmacher aus der "Lebensmitte"

Als "kleine Fortsetzung der Weltgeschichte" hat die finnische Sozialwissenschaftlerin Prof. Dr. Aila-Leena Matthies gestern die Gründung des Stadtteiltreffpunkts "Lebensmitte" in Neu-Olvenstedt mit einem Augenzwinkern bezeichnet. Eine Geschichte von Mutmachern. Matthies war vor zehn Jahren während ihrer Zeit als Professorin an der Hochschule Magdeburg-Stendal Mitbegründerin des Treffs und hielt gestern zum 10. Geburtstag der "Lebensmitte" ein Grußwort. Mit der Feier wurden zugleich neue Räume am Bruno-Beye-Ring eingeweiht.

Neu-Olvenstedt. Zu den Wendegewinnern habe Neu-Olvenstedt "nicht gerade gehört", erinnerte Aila-Leena Matthies. Im November 1999, zehn Jahre nach dem Fall der Mauer, hätten sich in Olvenstedt aber erneut Menschen zusammengefunden "unter dem Gefühl ,Wir sind das Volk, zusammen können wir etwas bewegen‘", sagte Matthies.

Arbeitslose gründeten damals mit Rückenwind der Hochschule den Stadtteiltreffpunkt, um Hilfe zur Selbsthilfe zu organisieren und Nachbarschaftsstrukturen wiederzubeleben. Sie traten gegen Einsamkeit und Mutlosigkeit an.

"Wer hätte damals gedacht, dass die ,Lebensmitte‘ in zehn Jahren noch bestehen wird?", fragte Matthies. "Dieses Projekt ist etwas Einmaliges, daraus schöpfe ich nach wie vor in Forschung und Lehre." Die Welt sei voll von Projekten, "die nicht erfolgreich sind, weil sie nicht von den Leuten gemacht werden, die sie benötigen". Anders die "Lebensmitte", und das sei das Geheimnis. Doch der Anfang war schwer. "In den Ämtern war offiziell keiner für unser Projekt von Bürgern für Bürger zuständig, die heutige Struktur der Gemeinwesenarbeit in Magdeburg gab es damals noch nicht", erinnert Matthies.

Inzwischen kann die "Lebensmitte" auf Fördermittel zählen. Gerade wurden auch zwei Stellen für drei Jahre über das Programm für Kommunal-Kombi-Löhne geschaffen. Und seit 2007 steht mit dem Caritasverband ein großer sozialer Träger hinter der Einrichtung, die zuvor von einem kleinen Verein geführt wurde. Der Verband stemmt den Verwaltungsaufwand und stellt Anträge – Aufgaben, die für die Bürger allein nicht mehr zu meistern waren. Daran drohte zwischenzeitlich alles zu scheitern. "So ein Projekt benötigt die Hilfe vieler – Politiker, Studenten, der Arbeitsagentur oder der Caritas", sagte Prof. Matthies. "Aber die Akteure von außen können auch viel von der ,Lebensmitte‘ lernen", sagte sie und unterstrich ihren Ansatz, mit sozialen Projekten Initiativen von Bürgern selbst aufzugreifen, statt ihnen etwas "vorzusetzen".

Für den Stadtteiltreffpunkt bedeutete die Jubiläumsfeier zugleich einen Neustart. Propst Josef Kuschel segnete die Räume der ehemaligen Wobau-Geschäftsstelle im Bruno-Beye-Ring 8-10 als neue Olvenstedter "Lebensmitte".

Der Stadtteiltreffpunkt und das Wohnungsunternehmen wollen fortan gemeinsam die Einrichtung weiterentwickeln. "450 Quadratmeter stehen uns jetzt hier zur Verfügung", sagte Mathias Urban vom Caritasverband. "Die nachbarschaftlichen Hilfeleistungen sollen stärker ausgebaut werden. Außerdem werden wir das Möbellager aus dem Zentrum ,Mutter Teresa‘ hierher verlagern", nannte er weitere Neuigkeiten aus dem Konzept der "Lebensmitte". Nach wie vor hält aber der ehrenamtliche Einsatz von Olvenstedtern den Treff am Leben, sei es als Koch, wie Detlef Lando, oder als "Mann für alle Fälle", wie Hans-Günther Beier. Aber auch Mandy Kolenda, Dirk Weigl, Andreas Schütze und Elvira Gondal wurden für ihr jahrelanges ehrenamtliches Engagement in der "Lebensmitte" geehrt. Neue Mitstreiter sind willkommen.

Die "Lebensmitte" hat Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr geöffnet.

Autor: Robert Richter (Magdeburger Volksstimme)

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